Bevor wir zu den eigentlichen Taktarten kommen, müssen wir kurz über das Metrum sprechen. Schließlich stellen Taktarten das Metrum in der notierten Musik dar.
Das Metrum ist die Einteilung der Schläge in gleich große Gruppen. Darüber haben wir schon kurz im Kurs „Noten lesen lernen“ (Teil 2) gesprochen, aber hier noch einmal eine kurze Demonstration.
Das hier ist ein Puls aus 6 Viertelnoten:

So einfach er auch ist – man kann ihn auf verschiedene Arten spielen. Probieren wir eine Möglichkeit aus, bei der die 6 Viertel in 2 Gruppen zu je 3 Vierteln aufgeteilt sind:

Hör dir das Beispiel an:
Und jetzt eine andere Variante. Diesmal ist der Puls in 3 Gruppen zu je 2 Vierteln aufgeteilt:

Hör dir das Beispiel an:
Ich bin sicher, wir sind uns einig: Diese beiden Pulse wirken musikalisch völlig unterschiedlich.
Die wichtige Frage lautet also:
Woran haben wir überhaupt gemerkt, dass die beiden verschieden sind?
Die Antwort liegt in den Betonungen. Genau wie in der Alltagssprache manche Silben stärker betont werden als andere, sind in der Musik manche Schläge stärker als andere (man kann auch sagen: manche Schläge sind betont).
Im ersten Beispiel sind die 6 Viertel in 2 Gruppen zu je 3 Schlägen aufgeteilt. Der erste Schlag jeder Gruppe ist stärker als die beiden anderen; man kann auch sagen, er ist betont. Deshalb nehmen wir das Metrum „in Drei“ wahr, das heißt, der Puls hat einen fortlaufenden „eins, zwei, drei, eins, zwei, drei usw.“-Charakter. Anders gesagt: Es ist ein „Dreiertakt“.
Im zweiten Beispiel kam der betonte Schlag alle 2 Schläge, also nehmen wir das Metrum „in Zwei“ wahr – die Wirkung ist ein wiederkehrendes „eins, zwei, eins, zwei usw.“, bei dem die „Eins“ stark (betont) und die „Zwei“ schwächer ist. Anders gesagt: ein „Zweiertakt“.
Diese Zyklen aus betonten und unbetonten Schlägen nennt man in der Musik Metren bzw. Taktarten. Sie können beliebig viele Schläge haben, am häufigsten sind aber die in Zwei (Zweiertakte), in Drei (Dreiertakte) und in Vier (Vierertakte).
In der Notenschrift werden diese Gruppen von Schlägen in Takte eingeteilt und durch Taktstriche voneinander getrennt.

Die Taktangabe
Jetzt kommen wir zu den Taktangaben. Wie du in Noten bestimmt schon gesehen hast, ist eine Taktangabe ein Zeichen aus zwei Zahlen, die übereinander stehen. Sie zeigt das Metrum gleich zu Beginn eines Stücks schnell und eindeutig an.
In Noten findest du die Taktangabe am Anfang der Musik. Hier ein Beispiel aus einem Lied von Schubert.

In diesem Schubert-Lied steht also ein Zweivierteltakt:

Was bedeuten diese Zahlen also?
Die obere Zahl sagt uns, wie viele Schläge ein Takt hat. Sie zeigt, ob das Metrum in Zwei, Drei, Vier oder mehr ist. Diese Taktangabe zeigt, dass das Metrum in Zwei ist: Jeder Takt hat zwei Schläge.
Die untere Zahl sagt uns, welchen Wert diese Schläge haben. Sie zeigt, ob die Schläge Achtel, Viertel, Halbe oder ein anderer Notenwert sind.
Diese untere Zahl bezieht sich auf die ganze Note. Am einfachsten findest du den Wert der Schläge heraus, indem du die ganze Note durch die untere Zahl teilst. Ist die untere Zahl zum Beispiel eine 2, rechnen wir „ganze Note geteilt durch 2“ – das ergibt zwei halbe Noten. Wenn also die untere Zahl einer Taktangabe eine 2 ist, sind die Schläge Halbe.
Und bei einer Vier? Die ganze Note in 4 geteilt ergibt 4 Viertel. Eine Taktangabe mit einer 4 unten steht also für einen Viertelpuls.
| Untere Zahl | Daraus ergibt sich |
| 1 | Schlag auf die Ganze |
| 2 | Schlag auf die Halbe |
| 4 | Schlag auf die Viertel |
| 8 | Schlag auf die Achtel |
| 16 | Schlag auf die Sechzehntel |
und so weiter …
Im Beispiel oben ist die untere Zahl eine 4, also ist jeder Schlag eine Viertel. Der Zweivierteltakt zeigt also an, dass das Metrum 2 Viertelschläge pro Takt hat. Das ist ein Zweiertakt, also ein Metrum aus zwei wiederkehrenden Schlägen – der erste ist der stärkste, der zweite der schwächere.
Hier ist eine Komposition im Zweivierteltakt. Hör genau auf das „eins – zwei – eins – zwei“-Gefühl.
Hör dir das Beispiel an: Beethoven: Türkischer Marsch, op. 113
Schauen wir uns ein weiteres Beispiel an. Das ist ein Dreiachteltakt:

Da die obere Zahl eine Drei ist, wissen wir, dass dieses Metrum 3 Schläge pro Takt hat. Es ist ein Dreiertakt. Jetzt müssen wir herausfinden, welche Art von Schlägen es sind. Da die untere Zahl eine Acht ist, sind es Achtel.
Der Dreiachteltakt ist ein Dreiertakt mit 3 Achteln pro Takt.
Hier ist eine Komposition im Dreiachteltakt. Versuch, das Gefühl von eins – zwei – drei – eins – zwei – drei wahrzunehmen.
Hör dir das Beispiel an: Haydn – Allegro aus der Sonate Nr. 8
Und wie sieht es mit dem Zweihalbetakt aus?

Die obere Zahl sagt uns, dass es zwei Schläge pro Takt gibt. Welche Art von Schlägen? Die untere Zahl, ebenfalls eine Zwei, zeigt, dass es Halbe sind. Dieses Metrum ist also ein Zweiertakt mit zwei halben Schlägen pro Takt.
Hier ist ein Musikstück im Zweihalbetakt. Hör – genau wie beim Zweivierteltakt – auf die „eins – zwei – eins – zwei“-Wirkung.
Hör dir das Beispiel an: Mozart: Sinfonie Nr. 40 g-Moll, 1. Satz
Jetzt bist du dran. Bevor wir weitermachen: Bestimme diese Taktart:

– – – – – – – – – – – – – Lies weiter, wenn du so weit bist – – – – – – – – – – – – –
Antwort:
Die untere Zahl sagt uns, dass der Schlag ein Viertelschlag ist. Wie viele Viertelschläge pro Takt? Aus der oberen Zahl wissen wir: vier. Es ist also ein Vierertakt mit vier Viertelschlägen pro Takt.
Betonte und unbetonte Schläge
Bevor wir weitermachen, denk daran, dass Metren aus einer festen Anordnung von starken und schwachen Schlägen bestehen. Lass dich aber von den Wörtern „stark“ und „schwach“ nicht in die Irre führen. Es sind Begriffe, mit denen wir diesen besonderen Aspekt des Rhythmus erklären können. Starke Schläge sind nicht an sich besser und schwache nicht schlechter. Beide sind gleich wichtig. Erst durch beide zusammen funktioniert das Metrum.
In Zweiertakten ist der erste Schlag der stärkste, der zweite ist schwach. Das Beispiel hier steht im Zweivierteltakt, aber dasselbe gilt für jeden Zweiertakt, etwa den Zweiachtel- oder den Zweihalbetakt. In den folgenden Grafiken steht S für stark (englisch „strong“) und w für schwach („weak“). Ein großes W steht für den schwächsten Schlag („weakest“).

Hör dir das Beispiel an:
In Dreiertakten ist der erste Schlag stark, und ihm folgen zwei schwache Schläge.

Hör dir das Beispiel an:
In Vierertakten sind der erste und dritte Schlag stark, der zweite und vierte schwach. Der erste Schlag ist allerdings stärker als der dritte, die vier Schläge sind also: am stärksten, schwach, stark, schwach.

Hör dir das Beispiel an:
Wichtig ist: Diese starken und schwachen Schläge werden von Musikern nicht erzwungen – sie entstehen ganz natürlich in Melodien, Akkordfolgen, Begleitungen und so weiter, weil Musik von Natur aus aus Mustern besteht.
Außerdem verändert sich der Eindruck von starken und schwachen Schlägen eines Metrums oft mit dem Fluss der Musik. Ein starker Schlag kann früher oder später empfunden werden als erwartet. Das ist sogar ein gängiges Mittel, um Musik abwechslungsreich zu machen. Trotzdem ist es wichtig, dieses theoretische Grundgerüst der Metren zu verstehen, um Abweichungen davon einordnen zu können.
Der Achtelschlag
Wir haben schon gelernt: Wenn der Puls aus Viertelschlägen besteht, ist die untere Zahl der Taktangabe eine 4. Wenn der Puls aus Achtelschlägen besteht, ist die untere Zahl eine 8.
Wie immer zeigt die obere Zahl der Taktangabe, wie viele Schläge ein Takt hat. Die untere Zahl zeigt, welchen Wert jeder dieser Schläge hat – in diesem Fall Achtel. Mit der folgenden Taktangabe bekommen wir also 2 Achtelschläge pro Takt. Genau wie beim Zweivierteltakt sind es zwei Schläge pro Takt.

Ebenso sind das hier 3 Achtelschläge pro Takt:

Und das hier sind 4 Achtelschläge pro Takt:

Die folgende Tabelle zeigt, wie sich die Notenwerte zu verschiedenen Schlagarten verhalten. Am schnellsten berechnest du diese Verhältnisse, wenn du im Kopf behältst, welchem Notenwert der Wert 1 zugeordnet ist.
Die Sechzehntel zum Beispiel ist ein Viertel eines Schlags, wenn der Schlag eine Viertelnote ist. Anders gesagt: Wenn die Viertel „eins“ ist, ist die Sechzehntel „ein Viertel“. Ist der Schlag aber eine Achtel, wird dieselbe Sechzehntel zu einem halben Schlag. Das heißt: Wenn die Achtel „eins“ ist, ist die Sechzehntel „einhalb“.

Der Halbe-Schlag
Schauen wir uns jetzt Metren an, deren Puls aus halben Noten besteht. In der Taktangabe werden Halbe-Schläge durch eine 2 unten angezeigt.
Das hier ist zum Beispiel ein Dreihalbetakt.
Die untere Zahl ist 2, also besteht das Metrum aus Halbe-Schlägen. Wie viele Halbe pro Takt? Laut der oberen Zahl: 3. Die Taktangabe bedeutet also „3 Halbe-Schläge pro Takt“:

Ebenso 2 Halbe-Schläge pro Takt:

Und 4 Halbe-Schläge pro Takt:

Wie vorhin zählen unsere Notenwerte je nach Schlag unterschiedlich viel. Wenn die Viertel „ein Schlag“ ist, braucht man zwei Achtel, um einen Schlag zu füllen. Wenn aber die Halbe „ein Schlag“ ist, braucht man vier Achtel dafür.

Neben Zweier-, Dreier- und Vierertakten unterscheiden wir Metren außerdem in einfache und zusammengesetzte.
Einfache Taktarten
Einfache Taktarten sind die, die wir bisher behandelt haben. Was sie einfach macht, ist, dass jeder Schlag natürlicherweise durch 2 teilbar ist (während zusammengesetzte Taktarten, wie wir sehen werden, natürlicherweise durch 3 teilbar sind). Der Zweivierteltakt zum Beispiel ist eine einfache Taktart, weil jeder Viertelschlag natürlicherweise durch 2 teilbar ist:

Der Zweivierteltakt ist also ein einfacher Zweiertakt.
Ein weiterer einfacher Zweiertakt ist der Zweihalbetakt. Er ist ein Zweiertakt, weil er 2 Schläge pro Takt hat, und er ist einfach, weil jeder dieser Schläge natürlicherweise durch 2 teilbar ist.

Zusammengesetzte Taktarten
Zu jeder einfachen Taktart gibt es ein zusammengesetztes Gegenstück. Während einfache Taktarten die sind, deren Schläge natürlicherweise durch 2 teilbar sind, ist in einer zusammengesetzten Taktart jeder Schlag natürlicherweise durch 3 teilbar.
So funktioniert das: Nehmen wir den einfachen Zweiertakt 2/4. Wie wir vorhin gesehen haben, besteht er aus 2 Viertelpulsen pro Takt, und jeder davon lässt sich natürlicherweise in zwei Achtel teilen.

Wenn das Metrum stattdessen aber aus 2 punktierten Vierteln bestünde:

Dann ist jeder dieser 2 Pulse natürlicherweise in 3 gleiche Teile teilbar:

Tatsächlich ist die Taktangabe für ein Metrum aus 2 punktierten Vierteln der Sechsachteltakt – 6 Achtelschläge pro Takt.

Denk aber daran, dass die Hauptschläge immer noch die beiden punktierten Viertel sind (und davon ist der erste der stärkste). Um zwischen den Hauptschlägen und ihren kleineren Teilen zu unterscheiden, können wir das Wort „Unterteilung“ verwenden:

Das heißt, dieses Metrum ist ein Zweiertakt. Da jeder der 2 Schläge natürlicherweise durch 3 teilbar ist, ist es eine zusammengesetzte Taktart. Der Sechsachteltakt ist also ein zusammengesetzter Zweiertakt.
Sehen wir uns ein weiteres Beispiel an. Das ist ein einfacher Dreiertakt mit 3 Achteln pro Takt.

Sein zusammengesetztes Gegenstück muss aus 3 punktierten Achteln pro Takt bestehen, und jede der 3 punktierten Achtel ist durch 3 teilbar. Das hier ist also ein zusammengesetzter Dreiertakt:

Zählen wir diese Unterteilungen (die Sechzehntel) zusammen, sehen wir, dass die Taktangabe dieses Metrums der Neunsechzehnteltakt ist:


Zum Schluss besprechen wir ein Beispiel für einen zusammengesetzten Vierertakt. Dieser Takt ist mit 4 punktierten Halben gefüllt. Wie lautet die Taktangabe?

Gehen wir Schritt für Schritt zur Antwort. Jede punktierte Halbe lässt sich in 3 Viertel zerlegen:

Der Takt ist jetzt mit 12 Vierteln gefüllt. Die obere Zahl der Taktangabe ist also 12. Die untere Zahl muss die Viertel-Unterteilung darstellen, und aus unserer Erfahrung mit einfachen Taktarten wissen wir, dass das die 4 ist.
Die Taktangabe dieses zusammengesetzten Vierertakts ist also der Zwölfvierteltakt. Der Puls ist in Vier, und jeder Schlag lässt sich in 3 Viertel teilen:


Wir haben also gelernt, dass Metren auf zwei Arten bestimmt werden:
- nach der Anzahl der Schläge: Zweier-, Dreier- oder Vierertakt
- und nach der natürlichen Unterteilung dieser Schläge: einfach oder zusammengesetzt
Das war alles zum Thema Taktarten!