In dieser Lektion schauen wir uns an, wie Rhythmus in echter Musik aufgebaut ist. Rhythmus besteht aus vier Grundbausteinen: Puls, Tempo, Metrum und Unterteilungen. Wir gehen sie der Reihe nach durch.
1. Puls
Das ist der gleichmäßige Grundschlag, zu dem man beim Hören eines Songs mit dem Fuß mitwippt. Hier siehst du eine einfache Reihe von Quadraten, die einen Puls darstellt. Achte darauf, dass alle gleich groß sind und immer den gleichen Abstand zueinander haben. Das liegt daran, dass der Puls stetig und gleichmäßig ist und alle Schläge gleich lang sind:

Um die Zeit in der Musik genau messen zu können, müssen wir nun festlegen, was diese Schläge wert sind. Dazu ordnen wir dem Puls einen Notenwert zu. Statt der Quadrate setzen wir also einen Notenwert ein, zum Beispiel Viertelnoten. Und schon haben wir einen Viertelpuls, bei dem jeder Schlag eine Viertelnote ist.

Das ist praktisch, denn jetzt, wo wir wissen, dass 1 Schlag 1 Viertelnote ist, können wir messen, wie viele Schläge jeder andere Notenwert dauert. Das klappt, weil wir die relativen Dauern der Notenwerte ja schon kennen. Wenn die Viertelnote also einen Schlag dauert, dann dauert die Ganze 4 Schläge, die Halbe 2 Schläge und so weiter.

2. Tempo
Der Puls kann schnell, langsam oder irgendwo dazwischen sein. Das Tempo ist die Geschwindigkeit der Musik und wird in den Noten mit bestimmten musikalischen Fachbegriffen angegeben (traditionell auf Italienisch, aber es gibt Hunderte solcher Begriffe in vielen Sprachen).
Das Tempo wird in Schlägen pro Minute gemessen. Hier ist eine Tabelle mit den 6 gängigsten italienischen Tempobezeichnungen, ihrer Bedeutung und den entsprechenden Schlägen pro Minute.
| Italienischer Begriff | Bedeutung | BPM |
| Largo | Sehr langsam und breit | 40 |
| Adagio | Langsam | 60 |
| Andante | Gehend, im Schritttempo | 80 |
| Moderato | Mäßig | 100 |
| Allegro | Lebhaft und schnell | 120 |
| Vivace | Sehr schnell | 140 |
3. Betonung
Manche Schläge werden stärker betont als andere. Das erzwingen nicht die Musiker – es passiert ganz natürlich, weil sich Musik in Mustern ordnet. Nehmen wir zum Beispiel noch einmal unseren Viertelpuls.

So einfach er auch ist, er lässt sich auf verschiedene Arten spielen. Eine Möglichkeit ist, die Viertel in 2 Gruppen zu je 3 aufzuteilen:

Eine andere Möglichkeit ist, sie in 3 Gruppen zu je 2 Vierteln aufzuteilen:

Das wirklich Faszinierende daran: Wir können diese Gruppen hören, auch ohne die Noten zu lesen. Und das gelingt uns, weil der erste Schlag jeder Gruppe betont ist. In der Musik nennt man diese Gruppierungen Metrum.
Das Metrum ist die Einteilung der Schläge in gleich große Gruppen. Wie wir gleich sehen, heißen diese Gruppen in der Musik Takte, und sie werden durch Taktstriche voneinander getrennt.
Taktart
Beim Metrum kommt es auf zwei Dinge an: wie viele Schläge jede Gruppe hat und welchen Wert diese Schläge haben (ob Viertel, Achtel oder etwas anderes). In den Noten werden diese beiden Angaben durch die Taktangabe dargestellt: ein Zeichen aus zwei Zahlen, die übereinanderstehen. Das hier ist zum Beispiel ein Zweivierteltakt:

Die obere Zahl sagt uns, wie viele Schläge ein Takt hat. Die Taktart 2/4 zeigt uns, dass es ein Zweiertakt ist: In jedem Takt gibt es zwei Schläge. Die untere Zahl sagt uns, was diese Schläge wert sind – also ob es Achtel, Viertel, Halbe oder ein anderer Notenwert sind.
Hinweis: Die untere Zahl bezieht sich auf die ganze Note. Am einfachsten findest du den Wert der Schläge heraus, indem du die ganze Note durch diese Zahl teilst. Ist die untere Zahl zum Beispiel eine 2, rechnest du „eine Ganze geteilt durch 2“ – und erhältst zwei Halbe. Wenn die untere Zahl einer Taktangabe also eine 2 ist, sind die Schläge Halbe.
Hier sind einige der häufigsten Taktarten:
Zweivierteltakt: zwei Viertelschläge pro Takt:

Dreivierteltakt: drei Viertelschläge pro Takt:

Viervierteltakt: vier Viertelschläge pro Takt:

Zweihalbetakt: zwei Schläge im Wert einer Halben pro Takt:

Dreiachteltakt: drei Achtelschläge pro Takt:

Hinweis: Die Fähnchen von Achtelnoten und kleineren Notenwerten werden oft miteinander verbunden, damit sie leichter zu lesen sind. Das nennt man „Gruppierung“ oder „Balkensetzung“.

4. Unterteilungen
Über dem Puls liegen Melodien und Akkorde, die aus ganz unterschiedlichen Noten bestehen – manche lang, manche kurz, dazu Pausen, wo sie hingehören. So sieht das Ganze in Noten aus. Die eingekreisten Zahlen werden unter der Abbildung erklärt.

① Das ist eine bildliche Darstellung des Pulses. Er ist eine gleichmäßige Folge von Schlägen. Jeder dieser Schläge dauert gleich lang: In diesem Fall sind es alles Viertelnoten (kurz „Viertel“). Bitte beachte, dass das nur der Veranschaulichung dient – in echten Noten wird der Puls nicht notiert.
② Das Wort Andante ist eine von Hunderten Tempobezeichnungen in verschiedenen Sprachen. Diese hier ist italienisch und bedeutet „gehend“, also im Schritttempo. Die Musik soll weder langsam noch schnell gespielt werden, sondern irgendwo dazwischen. In Schlägen pro Minute wären das etwa 80.
③ Diese Zahlen sind die Taktangabe. Sie legt fest, wie der Puls in gleich große Takte gruppiert wird. Die obere Zahl gibt an, wie viele Schläge jeder Takt hat (in diesem Beispiel vier), die untere Zahl, welchen Wert die Schläge haben (in diesem Beispiel ebenfalls vier, also Viertelnoten).
Dieser Puls besteht also aus vier Viertelschlägen pro Takt. Und nicht vergessen: Diese wiederkehrenden Zyklen aus vier Vierteln kann man spüren, weil der erste Schlag jedes Taktes betont ist.
Achte auch darauf, dass die Takte durch Taktstriche getrennt sind.

④ Und über all dem setzt sich der Rhythmus der Melodie aus verschiedenen Unterteilungen des Schlags zusammen. In diesem Beispiel haben wir Viertelnoten, Achtelnoten (mit einem Balken verbunden), eine Halbe und eine Viertelpause.

Das war Teil 2 der Reihe „Noten lesen lernen“. Jetzt heißt es üben! Wenn du so weit bist, geht es weiter mit Teil 3 – dort lernst du alle Noten kennen!