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Musik lernen – Schritt für Schritt mit Matthew Ellul

Dur oder Moll erkennen: So bestimmst du die Tonart

12 Minuten

Dur und Moll unterscheiden zu können, ist eine wichtige Grundfähigkeit für jeden Musiker. Es ist einer der ersten Schritte, mit denen du wirklich in die Musik eintauchen und verstehen kannst, wie sie gemacht ist. Diese Frage bekomme ich ziemlich oft gestellt, also legen wir gleich los. 

Wie erkennt man, ob ein Song oder ein Stück in Dur oder Moll steht? Es gibt zwei Wege herauszufinden, ob ein Song in Dur oder Moll steht: nach Gehör und mit den Augen. Nach Gehör achtest du auf die Dur- bzw. Moll-Klangqualität der Musik. Beim Lesen der Noten steckt die Antwort in den Vorzeichen und darin, wie Töne und Akkorde verwendet werden. 

Das klingt recht einfach, braucht aber etwas Übung, also schauen wir uns die Details an. Zuerst besprechen wir, wie man Dur und Moll beim Lesen des Notentexts erkennt, und danach, wie man sie nach Gehör erkennt. 

In diesem Artikel schauen wir uns auch an, woher Tonarten überhaupt kommen. Ich empfehle dir, ihn einmal ganz zu lesen, auch wenn du Vorzeichen und Tonleitern schon kennst. Wenn du verstehst, woher sie kommen, wird das Ganze viel einfacher! 

Wie man erkennt, ob ein Song in Dur oder Moll steht
Wie man erkennt, ob Musik in Dur oder Moll steht

Dur oder Moll im Notentext erkennen

Wir beginnen damit, eine Dur- oder Molltonart im Notentext zu erkennen. Aber was ist eigentlich eine Tonart? 

Mit dem Begriff „Tonart“ bezeichnen wir einfach die Dur- oder Molltonleiter, in der wir uns befinden. Wie du in der Tabelle weiter unten sehen wirst, gibt es 12 Durtonarten und 12 Molltonarten. Warum 12? Weil jeder der 12 Töne unseres Tonsystems einmal an der Reihe ist, der erste Ton einer Durtonleiter und der erste Ton einer Molltonleiter zu sein. Jede davon ist eine Tonart.

Hier ist zum Beispiel die A-Dur-Tonleiter (also das Muster der Durtonleiter, beginnend auf dem Ton A). 

Die A-Dur-Tonleiter
Die A-Dur-Tonleiter

Wenn wir nun Musik haben, die diese Tonleiter verwendet, sagen wir: Diese Musik steht in A-Dur: 

Thema aus Mendelssohns Italienischer Sinfonie in A-Dur
Mendelssohn: Sinfonie Nr. 4 – Thema des 1. Satzes in A-Dur

Und hier ist die a-Moll-Tonleiter (also das Muster der Molltonleiter, beginnend auf dem Ton A): 

Die a-Moll-Tonleiter
Die a-Moll-Tonleiter

Wenn wir uns Musik ansehen, die diese Tonleiter verwendet, dann steht die Musik in a-Moll:

Mendelssohn: Sinfonie Nr. 4 - Thema des 4. Satzes in a-Moll
Mendelssohn: Sinfonie Nr. 4 – Thema des 4. Satzes in a-Moll

Mit dem Begriff „Tonart“ sprechen wir also einfach davon, welche Tonleiter gerade verwendet wird. Wechselt die Musik die Tonart, hat sich die Tonleiter geändert. Stehen zwei Songs in derselben Tonart, heißt das einfach, dass sie dieselbe Tonleiter verwenden.  

Die Vorzeichen: Dur oder Moll? 

Wie finden wir also heraus, in welcher Tonart ein Musikstück steht? Dazu schauen wir uns den Notentext an und sehen, wie die Töne organisiert sind.  Auch auf Kreuze und b müssen wir achten, falls welche vorhanden sind, denn sie liefern entscheidende Hinweise.

Zum Glück ist es wirklich leicht herauszufinden, welche Kreuze oder b ein Stück verwendet, denn sie stehen normalerweise am Anfang jeder Notenzeile (direkt nach dem Schlüssel). Das nennt man die Vorzeichen (oder Tonartvorzeichnung). 

Die Vorzeichen stehen in jeder Notenzeile direkt nach dem Schlüssel.
Die Vorzeichen stehen in jeder Notenzeile direkt nach dem Schlüssel.

Hier ist eine Tabelle aller Vorzeichen. Beachte Folgendes:

  • Es gibt 2 Gruppen von Tonarten: eine mit Kreuzen und eine mit b;
  • Jede Vorzeichnung gilt für 2 Tonarten: eine Dur- und eine Molltonart;
  • Die Vorzeichen folgen einem schönen, regelmäßigen Muster. Wir beginnen mit C-Dur ohne Kreuz, gehen weiter zu einer Tonart mit 1 Kreuz, dann zu einer mit 2 Kreuzen und so weiter, bis wir bei Cis-Dur ankommen, wo alle Töne erhöht sind (also 7 Kreuze). 
  • Bei den b-Tonarten ist es genauso: Jede neue Tonart bekommt ein b mehr, bis wir bei Ces-Dur mit 7 b ankommen. 
  • Vielleicht fallen dir noch einige andere Muster auf, aber auf diesem Niveau reicht das fürs Erste. 
Tabelle der Vorzeichen
Tabelle der Vorzeichen

Dieser zweite Punkt ist SEHR wichtig, bevor wir zu den nächsten Schritten kommen. Jede Vorzeichnung gehört zu einer Durtonart und einer Molltonart.

Das bedeutet, dass die Vorzeichen, die wir im Notentext finden, unsere Möglichkeiten auf 2 Tonarten eingrenzen: eine in Dur und eine in Moll. Unser nächster Schritt ist herauszufinden, welche der beiden es ist.

Woher kommen die Vorzeichen? 

Vorzeichen gibt es, weil Dur- und Molltonleitern ihr Muster aus Ganztönen und Halbtönen beibehalten müssen, egal auf welchem Ton sie beginnen. Das Muster der Durtonleiter lautet zum Beispiel: Ganzton, Ganzton, Halbton, Ganzton, Ganzton, Ganzton, Halbton. 

Zufällig ergibt dieses Muster, wenn wir auf dem Ton C beginnen, genau alle weißen Tasten des Klaviers:

Die C-Dur-Tonleiter verwendet nur die weißen Tasten des Klaviers


Die C-Dur-Tonleiter verwendet nur die weißen Tasten des Klaviers
Die C-Dur-Tonleiter verwendet nur die weißen Tasten des Klaviers

Beginnen wir aber auf einem anderen Ton, müssen wir ein oder mehrere Kreuze oder b verwenden. Beginnen wir zum Beispiel auf D, brauchen wir die Töne Fis und Cis (statt F und C), um das richtige Muster aus Ganz- und Halbtönen beizubehalten. Mit anderen Worten: D-Dur hat 2 Kreuze als Vorzeichen, nämlich Fis und Cis.

Die D-Dur-Tonleiter
Die D-Dur-Tonleiter

Noch ein Beispiel. Wenn wir auf dem Ton B beginnen und eine Durtonleiter haben wollten, würden wir feststellen, dass wir für das richtige Muster aus Ganz- und Halbtönen 2 Töne erniedrigen müssen: das H selbst (das zu B wird) und das E (das zu Es wird). Mit anderen Worten: B-Dur hat 2 b als Vorzeichen, nämlich B und Es.

Die B-Dur-Tonleiter
Die B-Dur-Tonleiter

Bei Molltonleitern ist es genauso. Die Kreuze oder b sorgen dafür, dass das richtige Muster aus Ganz- und Halbtönen erhalten bleibt. Aus diesem Muster bezieht die Tonleiter ihren unverwechselbaren Klang – ihre besondere Färbung. Würden wir das Muster ändern, würden wir die Tonleiter selbst ändern.

Also: Dur oder Moll? 

Gut, jetzt, wo wir die Vorzeichen eines Stücks erkennen können, müssen wir nur noch entscheiden, ob sie für die Dur- oder die Molltonleiter stehen. 

Dafür müssen wir in der Musik selbst nach Hinweisen suchen. Im Allgemeinen sind die wichtigsten Töne und Akkorde in Dur- und Molltonarten:

  1. Die Tonika: der erste Ton der Tonleiter und der Akkord, der darauf aufbaut;
  2. Die Dominante: der fünfte Ton der Tonleiter und der Akkord, der darauf aufbaut:
C-Dur-Tonleiter mit Tonika und Dominante.
C-Dur-Tonleiter mit Tonika und Dominante

Warum diese Akkorde so wichtig sind, ist ein Thema für sich, aber kurz gesagt: Gemeinsam festigen sie die Tonika in ihrer Rolle als Tonika. Mit etwas Übung wirst du diese Töne und Akkorde in jeder Tonart sofort erkennen. 

Tonika und Dominante in der Musik zu erkennen, hilft dir, Dur und Moll sehr schnell zu unterscheiden. Hier sind aber erst einmal 5 Tipps für den Anfang:

  •  Meistens ist der erste Ton der Melodie entweder der erste Ton der Tonleiter (die Tonika) oder der fünfte Ton der Tonleiter (die Dominante). 
  • Der erste Akkord eines Stücks ist sehr oft der erste Akkord der Tonleiter (die Tonika). Wenn nicht, ist es der fünfte Akkord der Tonleiter (die Dominante). 
  • Auch der letzte Akkord ist meistens der erste Akkord der Tonleiter. 
  • Achte besonders auf den Bass. Der erste und/oder der letzte Ton eines Stücks ist normalerweise die Tonika.
  • Wenn du vermutest, dass die Tonart Moll ist, suche in der Musik nach der erhöhten 7. Stufe. „Erhöhte 7. Stufe“ bedeutet, dass der 7. Ton der Tonleiter um einen Halbton erhöht wird. In e-Moll zum Beispiel suchst du nach einem Dis (das ist der 7. Ton ab E). 

Beispiele und Übungen

Jetzt stellen wir diese Tipps auf die Probe! Hier haben wir 4 kurze Klavierstücke. Wir beginnen mit 2 einfachen Takten aus einem Menuett von Bach. Ist das eine Dur- oder eine Molltonart?

Bach: Menuett
Bach: Menuett

Die Vorzeichen zeigen nur ein Kreuz. Laut unserer Tabelle der Vorzeichen bedeutet das entweder G-Dur oder e-Moll. Wenn man sich die Töne genau ansieht, sollte es keinen Zweifel geben, dass es G-Dur ist: 

  1. Die ersten beiden Zählzeiten umreißen die Töne von G-Dur: G – H – D.
  2. Die Töne auf der 3. Zählzeit des ersten Takts sind D – Fis – A. Das ist der D-Dur-Akkord (und er ist der Dominantakkord von G).
  3. Der zweite Takt besteht nur aus Tönen des G-Dur-Akkords. 

Alles in allem deutet jeder Ton auf die Tonart G-Dur hin. Die orangefarbenen Zahlen im Notenbild unten entsprechen den Punkten oben:

Hinweise auf G-Dur
Hinweise auf G-Dur

Selbst in so wenig Musik greifen die Tipps, die wir über Tonika- und Dominantakkorde gelernt haben. 

Als Nächstes haben wir 8 Takte aus einem kurzen Klavierstück von Haydn. Welche Tonart ist es?

Haydn: Nr. 6 aus 12 leichten Stücken für Klavier
Haydn: Nr. 6 aus 12 leichten Stücken für Klavier

Es gibt weder Kreuze noch b als Vorzeichen. Laut unserer Tabelle der Vorzeichen bedeutet das entweder C-Dur oder a-Moll. Es gibt keine Hinweise auf a-Moll, aber viele auf C-Dur: 

  1. Der erste Akkord ist C-Dur, mit dem Ton C selbst im Bass. 
  2. Die letzten Töne sind zwei C – eins im Bass und eins in der Oberstimme. 
  3. Der Basston vor diesem letzten C ist seine eigene Quinte: G (beachte, dass hier in den Bassschlüssel gewechselt wird). Ein Schluss, bei dem die Quinte zum Grundton geht, ist in jeder Tonart ein starkes Indiz. 
  4. Auch die erste Phrase, die in Takt 4 endet, schließt auf dem C-Akkord. 
Haydn: Nr. 6 aus 12 leichten Stücken für Klavier - Hinweise auf C-Dur
Hinweise auf C-Dur

Hier ist ein weiterer Ausschnitt. Dieser stammt aus Schumanns Album für die Jugend. Dur oder Moll? 

Schumann: Nr. 7 aus dem „Album für die Jugend“

Die Vorzeichen zeigen 1 b. Laut unserer Tabelle der Vorzeichen bedeutet das, dass dieses Stück entweder in F-Dur oder in d-Moll steht. Es gibt keine Hinweise auf d-Moll, aber eine ganze Reihe auf F-Dur:

  1. Der Auftakt ist der Ton C, der zu F geht. Da ist sie wieder, die Beziehung von der Fünf zur Eins! Denn wenn F der erste Ton ist, ist C der 5. Wie wir gesehen haben, bestätigt schon das allein F-Dur. Und obendrein geht die Melodie danach noch zweimal von C nach F. 
  2. Im 3. Takt erklingen die Töne von F-Dur als Arpeggio aufgefächert.
  3. Die Tonika F-Dur führt im 4. Takt zum Dominantakkord von F (also C-Dur). 
Hinweise auf F-Dur
Hinweise auf F-Dur

Als Nächstes haben wir die ersten 2 Phrasen aus einem kurzen Stück von Tschaikowski. Dur oder Moll?

Tschaikowski: Begräbnis der Puppe aus dem Kinderalbum op. 39
Tschaikowski: Begräbnis der Puppe aus dem „Kinderalbum op. 39“

Die Vorzeichen bestehen aus 3 b. Laut unserer Tabelle der Vorzeichen bedeutet das, dass diese Musik entweder in Es-Dur oder in c-Moll steht. Es sollte klar sein, dass hier alles auf c-Moll hindeutet:

  1. Der erste Akkord ist c-Moll (die Töne C – Es – G), mit dem Ton C selbst als tiefstem Ton im Bass.
  2. Die erste Phrase endet in Takt 4 wieder auf c-Moll, und davor steht der G-Akkord (seine Dominante).
  3. Der Ton B wird um einen Halbton zum H erhöht. Genau das würden wir in c-Moll erwarten – den erhöhten 7. Ton.
  4. Wenn wir in c-Moll sind, endet der Ausschnitt auf dem Dominantakkord (G-Dur). Wie wir schon gesehen haben, ist das ein völlig normaler Akkord, um eine musikalische Phrase zu beenden.  
Hinweise auf c-Moll
Hinweise auf c-Moll

Und was ist mit dem Fis im Bass in Takt 7? Dieser Ton gehört nicht zur Tonart c-Moll – heißt das, dass unsere Schlussfolgerung falsch ist?

Nein, wir liegen nicht falsch. Trotz des Fis sind wir immer noch in c-Moll. Das ist eine Frage der Harmonik. Ohne zu sehr ins Detail zu gehen: Die Aufgabe dieses Fis ist es, den Zug zum Zielakkord G-Dur zu verstärken. Der G-Dur-Akkord selbst gehört weiterhin zu unserer Grundtonart c-Moll. 

Wie du siehst, stecken die Hinweise darauf, ob ein Stück in Dur oder Moll steht, immer in den Noten. Such nach der Tonika und ihrer Dominante, und du kennst die Tonart.


Dur oder Moll nach Gehör erkennen

Auch hier ist es vor allem eine Frage der Übung. Das heißt aber nicht, dass es Jahre dauern wird! Es bedeutet nur, dass du eine Zeit lang täglich 15 bis 30 Minuten Gehörübungen machen musst. 

Vielleicht hast du schon gehört, dass Dur fröhlich und Moll traurig ist, aber das ist zu stark vereinfacht. Ich weiß, dass diese Meinung nicht besonders beliebt ist, aber Intervalle und Tonleitern mit Stimmungen und Gefühlen zu beschreiben, führt in die Irre. Es legt eine unnötige, oberflächliche Schicht über das Musikhören. Statt uns davon ablenken zu lassen, ob eine Tonleiter „fröhlich“ oder „traurig“ ist, sollten wir hinhören, ob sie tatsächlich Dur oder Moll ist.

Klänge sind wie Farben. Wir kennen die Farbe Rot einfach als „Rot“ (ohne sie als leuchtend, gefährlich oder sonst etwas zu beschreiben) und die Farbe Blau einfach als Blau (ohne auf Adjektive wie ruhig, wellig oder was auch immer zurückzugreifen).

Genauso hat Dur eine bestimmte Klangqualität (eine Art Klangfarbe) und Moll eine andere, und genau die sollten wir lernen, nach Gehör zu erkennen.

Dur- und Molldreiklänge erkennen

Der erste Schritt ist, den Unterschied zwischen Dur- und Molldreiklängen zu erkennen. Wie du vielleicht aus der Musiktheorie weißt, liegt der Unterschied in der Terz. Sieh dir dieses Beispiel an: Der C-Dur-Dreiklang besteht aus den Tönen C – E – G, der c-Moll-Dreiklang dagegen aus den Tönen C – Es – G. Nur die Terz ändert sich: 

Vergleich des C-Dur-Dreiklangs mit dem c-Moll-Dreiklang
Vergleich des C-Dur-Dreiklangs mit dem c-Moll-Dreiklang

Um das Hören und Vergleichen von Dur- und Molldreiklängen zu üben, kannst du sie auf einem Keyboard oder Klavier spielen, falls du eins hast, oder eine Online-App wie teoria.com nutzen.

Dur- und Molltonleitern erkennen

Sobald das einigermaßen gut klappt, übe das Hören der Tonleitern selbst. Spiele und singe Dur- und Molltonleitern auf einem Tasteninstrument und gewöhne dich einfach an ihren Klang. (Das Singen ist wichtig, weil es hilft, die Klänge zu verinnerlichen, und dem Gehör enorm hilft.) 

Geh auch hier wieder auf eine Online-App wie teoria.com und teste dich mit den Tonleitern. Das Ziel ist nicht, alles richtig zu haben und die App so schnell wie möglich wieder zu verlassen. Es geht darum, dein Ohr in die Klänge eintauchen zu lassen und immer vertrauter mit ihnen zu werden. 

Es kann ein paar Wochen oder Monate dauern, aber dann kannst du Dur- und Molltonleitern ein Leben lang voneinander unterscheiden.